Wissenschaft und moralische Verantwortung

Start | Über mich | Impressum

 

 
Die Wissenschaftsmafia

Die LETZTEN DREI DOGMEN werden von den Führungskräften der Wissenschafts-Hierarchie besonders gepflegt. Denn durch POPPER erhalten wir - unter Hinweis auf die zwei unten zitierten Bücher von KUHN, Th. S. (1973, 1981) - noch folgende wichtige Information (Zitat von Seite 58 des Buches POPPER / LORENZ 1985):

"NOBELPREISE - LOHN FÜR DIE SIEGREICHE MAFIA?

KREUZER: Hier sollte man doch ein paar Worte über Thomas KUHN sagen. Von ihm stammt die Wissenschaftstheorie der "Paradigmata". Er sagt, die Wissenschaft sei eine Vereinbarung jeweils einer Wissenschaftsmafia, die von der nächsten abgelöst wird.

SEXL: Es ist eher ein soziologischer Prozess als ein logischer Prozess oder ein kritischer Prozess.....

KREUZER: Wissenschaft ist das, was zwischen den Wissenschaftlern ausgemacht wird.....

SEXL: Es wird ausgemacht zwischen Gruppen - wer gewinnt, der hat dann den Nobelpreis." (Ende des Zitats)

 

 

ANMERKUNG: Professor Roman Ulrich SEXL (Institut für Theoretische Physik der Universität Wien), der schon 1986 im Alter von 46 Jahren starb, ist Inhaber des POHL-Preises für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Didaktik und des physikalischen Unterrichts. Dieser Preis wird von der "Deutschen Physikalischen Gesellschaft" verliehen. Prof. SEXL hat seit 1979 eine Buchreihe: "Facetten der Physik" mit bis jetzt 26 Bänden herausgebracht. Diese Reihe ist nach seinem Tode, vermutlich von seiner Frau Dr. Hannelore SEXL, fortgeführt worden. Es handelt sich hierbei um Literatur aus dem englisch-sprachigen Raum, die Herr Professor Roman SEXL ins Deutsche hat übertragen lassen.

Von Professor SEXL stammt auch der bemerkenswerte Satz (Zitat aus WEBER / MENDOZA, 1. Auflg., Seite 146):

"Mathematikunterricht ist der systematische Missbrauch einer eigens dazu erfundenen Formelsprache."

 

Als ich den Satz: "NOBELPREISE - LOHN FÜR DIE SIEGREICHE MAFIA?" in dem Buch von POPPER / LORENZ erstmalig las, dachte ich an eine böswillige Verleumdung. Denn jeder Physiker oder Techniker weiß doch seit seiner Schulzeit - oder glaubt es jedenfalls zu wissen - , dass die wissenschaftliche Aufrichtigkeit und Unbestechlichkeit das höchste Ziel eines jeden Naturwissenschaftlers ist. Allerdings ist das Erreichen dieses Idealzieles keineswegs so einfach, wie es sich der kleine MAX vorstellt. In der letzten Zeit sind nämlich zum Betrug in der Wissenschaft eine Reihe sehr aufschlußreicher Veröffentlichungen erschienen (z. B. BROAD/WADE 1984; EHLERS 1988, 1991; FÖLSING 1984; FRANKS 1984; TUFFS 1990; SCHMIDT ).


 

Bei BROAD/WADE (1984) heißt es beispielsweise (Zitat von Seite 166 - 167):

"Erst wenn man einräumt, dass in der Wissenschaft auch nichtrationale Elemente vorhanden sind, kann man das Phänomen des wissenschaftlichen Betrugs verstehen. Umgekehrt wirft die Untersuchung des Betrugs ein Licht darauf, wie die nichtrationalen Elemente im wissenschaftlichen Prozess wirksam werden. Der Betrug findet zusammen mit den nichtrationalen Elementen Eingang in die Wissenschaft und ist häufig erfolgreich, weil eben diese Elemente zu seinen Gunsten wirken.

Das Akzeptieren von Betrug ist die eine, der Widerstand gegen neue Ideen die andere Seite der bekannten Medaille. Betrügerische Ergebnisse werden in der Wissenschaft eher akzeptiert, wenn sie plausibel dargestellt werden, wenn sie zu bestehenden Vorurteilen oder Erwartungen passen, und wenn sie von einem entsprechend qualifizierten Wissenschaftler stammen, der einer Eliteeinrichtung angehört. Radikal neue Ideen in der Wissenschaft werden gern abgelehnt, wenn ihnen genau all' diese Eigenschaften fehlen.

Nur wenn man annimmt, dass Logik und Objektivität die einzigen Torhüter der Wissenschaft sind, können die Allgegenwart und der häufige Erfolg von Betrug überhaupt überraschen. Nur wenn man annimmt, dass die Replikation die unerbittliche Prüfung ist, der sich alle Ergebnisse unterziehen müssen, ist das Fortbestehen von Betrug schwer zu verstehen.

Wie die Sünde unter den Gläubigen dürfte der Betrug in der Wissenschaft nicht vorhanden sein und schon gar nicht florieren. Dass das anders ist, liegt am Unterschied zwischen Ideologie und Praxis.

Für die Wissenschaftsideologen ist Betrug tabu, ein Skandal, dessen Bedeutung bei jeder Gelegenheit rituell abgestritten werden muss. Für jeden, der die Wissenschaft als menschliches Streben nach Welterklärung sieht, ist Betrug lediglich ein Beweis, dass die Wissenschaft von der Rhetorik genauso beflügelt wird wie von der Vernunft." (Ende des Zitats)

In demselben Buch ist zu lesen (Zitat aus BROAD/WADE 1984, Seite 23, vorletzter Absatz):

 

"Der amerikanische Physiker Robert MILLIKAN erhielt den Nobelpreis, weil er als erster die elektrische Ladung eines Elektrons gemessen hatte. Doch griff MILLIKAN zu umfangreichen Falschdarstellungen, um seine Versuchsergebnisse überzeugender erscheinen zu lassen, als sie in Wirklichkeit waren." (Ende des Zitat)

Auf Seite 268 heißt es dazu (Zitat aus BROAD/WADE 1984):

FALL: Robert Millikan (amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger)

ZEIT: 1910 - 1913

* Unterschlug negative Versuchsergebnisse in seinen Aufsätzen und behauptete zugleich, alles mitgeteilt zu haben.

QUELLE: Gerald Holton, "Subelections, Presuppositions, and the Millikan - Ehrenhaft Dispute", Historical Studies in the Physical Sciences, 9, 166 - 224, 1978

(Ende des Zitats)

 

 

Sehr aufschlussreich ist auch die Arbeit von SCHMIDT: "Die natürliche Selektion der theoretischen Physiker" (Zitat):

"Und damit würde sich die Möglichkeit schneller Korrekturen irriger Auffassungen, die niemals zu vermeiden sind, ganz natürlich ergeben.

Jedoch genau an diesem Punkt beginnt die Kriminalität, die nicht Einzelnen zuzuschreiben ist, und die daher 1962 der Nobelpreisträger P. DEBYE und auch andere als WISSENSCHAFTSMAFIA bezeichneten.

Der Nobelpreisträger DIRAC erklärte des öfteren in Lindau: "If any experiment contradicts a beautiful idea, let us forget the experiments." Ob dies ironisch gemeint war oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, jedoch wird danach gehandelt!

Es ist eine der Aufgaben der wissenschaftlichen ETHIK der von Albert EINSTEIN mitbegründeten Gesellschaft für Verantwortung in der Wissenschaft, darüber zu wachen, dass die Korrekturen von wissenschaftlichen Fehlurteilen nicht mit anonymen Machtmitteln verhindert werden." (Ende des Zitats)

Wie SCHMIDT oben - ebenso wie POPPER in seiner Rede im Österreichischen Fernsehen - zutreffend ausführt, sollte die ETHIK oberstes Leitbild der Wissenschaft sein. Der Begriff WISSENSCHAFTSMAFIA will aber so ganz und gar nicht in das Bild einer ethisch orientierten Wissenschaft passen. Wir müssen daher diesen Begriff noch näher untersuchen.

Viele Menschen glauben, der Begriff MAFIA sei gleichbedeutend mit VERBRECHERBANDE. Man denkt dabei meistens an die Mafia in Süditalien oder in den USA. Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass dieser Begriff viel weiter reicht. Es wird beispielsweise auf HESS (1986/1988) hingewiesen. Dort heißt es im Vorwort (Zitat von Seite VI):

"Im allgemeinen wird mafia unter kriminologischem Aspekt gesehen: als die Form organisierten Verbrechens par excellence. Eine solche Sichtweise ist sicherlich auch nicht falsch, aber doch unvollständig. Denn mafia ist zugleich ein politisches Phänomen, und zwar als eine Form illegalen außerökonomischen Zwanges zur Verteidigung privilegierter Positionen. Wo bestimmte Teile der herrschenden Klasse ihre Interessen nur unvollständig mit Hilfe des staatlichen Apparates durchsetzen können, weil entweder dieser Apparat zu schwach ist, beispielsweise eine ferne Zentrale periphere Gebiete mit ihrer Kontrolle nicht ganz durchdringt, oder weil dieser Apparat in seiner dahingehenden Effizienz durch rechtsstaatliche Regeln eingeschränkt bzw. von anderen Klassen oder anderen Teilen der herrschenden Klasse mitbestimmt ist, da werden zur Verteidigung privilegierter Positionen immer wieder auch illegale Mittel angewandt." (Ende des Zitats)

JEDE gesellschaftliche Organisation kann also in Sachzwängen so verfangen sein, dass KEINER der einbezogenen Personen frei handeln kann. Im Fall der Krise der Naturwissenschaften ergibt sich, dass z. B. ein anerkannter Wissenschaftler der Physik nicht mitteilen KANN, dass er bestimmte "wissenschaftliche" Aussagen für falsch hält: Er muss höllische ANGST haben, dass ein Sturm der Entrüstung der - Lehrbücher schreibenden - Kollegen und der Geldgeber für Hochenergie-Anlagen in Europa und Übersee losbricht. Schlimmer noch: Er muss FÜRCHTEN, dass ein totaler Zusammenbruch des weltweiten Wissenschaftsbetriebes die Folge wäre. Denn es könnte sich ein Lawinen-Effekt herausbilden, da alle Teilgebiete der Physik "logisch" mit den grundlegenden Fehlern verknüpft sind. Die Fachwelt zieht es daher vor, einen derart mutigen und aufrichtigen Wissenschaftler NICHT ERNST zu nehmen oder VÖLLIG zu IGNORIEREN. Dieses ist vollkommen unabhängig von seinem Status in der Wissenschafts-Hierarchie. Der vernünftige und in soweit auch verantwortungsbewusste Wissenschaftler wird es daher vorziehen, den status quo zu verteidigen. Er befindet sich in einer ausweglosen, in einer PATT-Situation, da JEDE seiner Entscheidungen verheerende gesellschaftspolitische Folgen haben kann. Deshalb sind in diesem Bereich auch Unwahrheiten und "Mogeleien" strafrechtlich nicht angreifbar (Paragraph 306 BGB).

Die in diesen Teufelskreis verflochtenen Wissenschaftler leben daher in einer ständigen Angst, der UNWAHRHEIT überführt zu werden. Sie trösten sich damit, dass ihre Kollegen und sehr viele andere ein Gleiches tun. Sie folgern mit Recht: Alle Betroffenen weltweit können ja nicht hinter Schloss und Riegel gebracht werden. Die beschriebene Angst ist aber einem guten Arbeitsklima in den wissenschaftlichen Institutionen keineswegs förderlich. Denn für eine ersprießliche Forschungsarbeit benötigt man einerseits intuitive Ideen und andererseits einen nüchternen Sachverstand ohne Emotionen.

 

 

Besonders prägnant wird der Begriff WISSENSCHAFTSMAFIA in einem Zeitschriften-Leitartikel mit der Überschrift: "Die Wissenschaftsmafia" umrissen (EHLERS 1988). Dort heißt es (Zitat):

"Das wissenschaftliche Weltbild - zerlegt in atomisierte Spezialgebiete - ist fest zementiert. In jedem dieser Spezialgebiete gibt es einen oder mehrere Päpste. Sie sind allesamt unfehlbar. Sie haben einen Beraterstab um sich - Gutachter genannt -, die sind allesamt absolute Spezialisten. Dieser Beraterstab entspricht etwa der Funktion der Glaubens-Kongregation der römischen Kirche. Ihr Wort ist Dogma. Wer von der reinen Lehre abweicht, muss entweder widerrufen oder schweigen.

Ich schätze die Wissenschafts-Päpste in Deutschland auf etwa 200 in allen Disziplinen. Unter Ihnen spielt sich alles ab. Sie arbeiten eng mit der Industrie zusammen, die wiederum ihr krebsartiges Wachstum jenen Wissenschafts-Päpsten und Spezialisten-Kongregationen verdankt.

Sie beherrschen die Universitäten. Sie wachen darüber, dass nur ihr wissenschaftliches Weltbild gelehrt wird. ("Ich bin der Herr, Dein Wissenschaftler, Du sollst nicht haben andere Wissenschaftler neben mir.")

Sie beherrschen aber auch die Politiker. Denn sie sind auch dort gutachterlich tätig. Sie bestimmen unter anderem, wohin die Forschungsgelder fließen, vor allem wohin nicht. Natürlich fließen die Forschungsgelder in die Industrie, die wiederum von jenen Wissenschaftlern beraten werden. (Professor Überla vom BGA war wohl das bisher krasseste Beispiel.)

Sie beherrschen aber auch die Juristen. Denn auch dort sind sie mit ihrem materialistischen Weltbild gutachterlich tätig.

Sie sagen den Richtern, was sie als Wissenschaft anzusehen haben und was als Scharlatanerie. Sie entscheiden, wann ein Kunstfehler vorliegt und wann nicht. (In den eigenen Reihen gibt es keine Kunstfehler, bei Außenseitern fast immer.)

Sie beherrschen aber auch die Patentämter. Denn nur was ihrem wissenschaftlichen Weltbild entspricht, kann auch funktionieren, also patentiert und damit geschützt und damit industriell vermarktet werden.

So schließt sich der Kreis: Forschung und Lehre - Nutzanwendung - Politik - Justiz - Patent - Forschungsgelder - industrielle Vermarktung. Gibt es Ärger mit der Bevölkerung, werden von den jeweiligen Fach-Päpsten wissenschaftliche Gutachter an den Ort der Unruhen entsandt, die dann verkünden, dass nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen (und seien sie 100 Jahre alt) die Sache 1. absolut sicher, 2. ungeheuer nützlich und 3. überhaupt dem Fortschritt und damit der Menschheit dient. Amen." (Ende des Zitats)

 

 

In einem weiteren Leitartikel in der gleichen Zeitschrift unter der Überschrift: "Wissenschaftliche Meinungsfreiheit" (EHLERS 1991) kann man lesen (Zitat):

"Das sind drei ganz kleine, ganz wenige Beispiele aus einer Fülle ähnlicher Begebenheiten, die sich alltäglich zutragen. In ihrem Ablauf sind sie alle gleich: Wer von der offiziellen Lehre abweicht, andere Ansichten äußert oder gar die Gegenposition vertritt, wird bestraft. Diese Strafen sind sehr diffizil. Sie reichen von der NICHTBEACHTUNG in Wort, Schrift und Bild bis hin zur EXISTENZVERNICHTUNG.

Dabei ist es gleichgültig, um welche Wissenschaftsdisziplin es sich handelt, ob Physik, Medizin, Biologie, Chemie, ob Geistes- oder Naturwissenschaften, ob Vergangenheits- oder Zukunftsforschung, es ist stets das gleiche. Die Gelehrten oder die, die sich dafür halten, sagen unisono: "Ich bin der Herr, Dein Dogma, Du sollst nicht haben andere Dogmen neben mir". . . . . . . .

Ich denke oft, ob die Unerbittlichkeit, mit der die orthodoxe Wissenschaft ihre zum Teil abstrusen Glaubensbekenntnisse (Beispiel "AIDS") verteidigt und mit der sie Andersdenkende versucht, mundtot zu machen, nicht eine ihrer Wurzeln in der NS-Zeit hat. Die anderen Wurzeln liegen natürlich in der Angst, mühsam eroberte Pfründe aufgeben zu müssen. Wobei ich ausdrücklich betonen möchte, dass es auch heute noch - vermutlich sogar in der Mehrzahl - hochanständige im wahrsten Sinne des Wortes gewissenhafte Wissenschaftler an unseren Unis gibt, denen vieles gegen den Strich geht, was da so offiziell abläuft. Sie sind allerdings selten in einflussreichen Positionen. (Das haben sie dann davon).

Es sind nur wenige Namen (vielleicht 150), die für die Machtstrukturen im Wissenschaftsbereich stehen und die täglich die unheilige Dreieinigkeit von Geld, Politik und Wissenschaft stärken. Sie sind zum großen Teil von gestern und vorgestern. Sie verhindern die wissenschaftliche Meinungsfreiheit, indem sie in den Fachzeitschriften nur linientreue Autoren zu Wort kommen lassen (wie bei den Nazis). Und so kommt es, dass der größte Teil unserer Wissenschaft von gestern und vorgestern ist. Eigentlich verfassungswidrig, was die Herren da machen, aber wer kennt schon das Grundgesetz?" (Ende des Zitats)

Diesen hervorragend formulierten Ausführungen (EHLERS 1988, 1991) braucht eigentlich nichts hinzugefügt werden. Sie sprechen für sich!!!
 

Copyright 1996 - 2005  -  Ekkehard Friebe  - All Rights Reserved